
Krisen kommen.
Wind Bleibt.
Regionale Energie stärkt die Versorgungssicherheit
Die Energiekrisen der vergangenen Jahre haben uns nachdrücklich vor Augen geführt, wie verwundbar eine Energieversorgung ist, die auf fossilen Importen basiert. Als Russland 2022 die Gaslieferungen drosselte, explodierten die Energiepreise – mit gravierenden Folgen für Haushalte, Unternehmen und kommunale Versorger.

Als 2026 der Irankrieg ausbrach, explodierten die Rohölpreise und in Folge auch die Preise für Heizöl und Kraftstoffe.

Die Gestehungskosten für Erneuerbare Energien blieben von diesen Krisen dagegen weitgehend unbeeindruckt und werden in Zukunft immer weiter fallen. Heidelberg kann aus dieser Erfahrung lernen und mit dem Bürgerwindpark Lammerskopf einen konkreten Schritt in Richtung Energieunabhängigkeit gehen.
Was fossile Abhängigkeit kostet
Deutschland hat allein im Jahr 2022 rund 130 Milliarden Euro für den Import fossiler Energieträger ausgegeben – das entspricht etwa 1.550 Euro pro Einwohner:in. Dieses Geld fließt zum Großteil in Länder, deren politische Stabilität nicht garantiert ist. Selbst in ruhigeren Jahren verlassen jährlich 60 Milliarden Euro für Gas, Öl und Kohle unser Land.

Zum Vergleich: Die sieben Windräder auf dem Lammerskopf erzeugen über ihre Lebensdauer von rund 20 Jahren Strom im Wert von mehreren hundert Millionen Euro – Wertschöpfung, die in der Region bleibt.
Region Heidelberg: Wachsender Bedarf, kaum eigene Erzeugung
Derzeit verfehlt Deutschland die Ausbauziele für Erneuerbare Energien im Bereich der Windkraft. Hier besteht inzwischen eine wachsende Lücke, die zur Zeit ca. 11 % des interpolierten Ziels ausmacht und bis 2030 auf über 25 % anwachsen dürfte. Dabei muss erwähnt werden, dass selbst mit diesen Ausbauzielen das Pariser Klimaschutzabkommen (1,5°C-Ziel) nicht erfüllt werden kann.

Dieser generelle Mangel bei der Windenergie gilt insbesondere in Baden-Württemberg. Dort macht die Windenergie gerade einmal 5,4 % der Bruttostromerzeugung (2022) aus. Stand März 2025 sind 1.875 MW installiert — in einem Land mit über elf Millionen Einwohner:innen und einer energiehungrigen Industrie.
Die Metropolregion Rhein-Neckar verbraucht heute rund 17 TWh Strom pro Jahr — und ist damit eine der stromintensivsten Regionen Deutschlands. Bis 2045 wird dieser Bedarf laut Fraunhofer ISE auf 32 bis 38 TWh jährlich steigen. Selbst bei vollständiger Erschließung aller Potenziale der Erneuerbaren Energien bliebe eine Importlücke von 10 bis 17 TWh pro Jahr, denn das maximale Windkraftpotenzial der gesamten Metropolregion beträgt nur 4 TWh — und erschlossen ist davon erst ein Bruchteil. Umso mehr gilt, dass in der Metropolregion jedes Windrad zählt.
Auch für Heidelberg selbst sind die Zahlen eindeutig: Die Stadt verbraucht heute 740 GWh Strom pro Jahr — davon werden gerade einmal 13 % aus erneuerbaren Quellen gedeckt. Gleichzeitig wird der Strombedarf weiter wachsen: Die Wärmewende erfordert bis 2040 zusätzliche 213 GWh/Jahr für Wärmepumpen und Fernwärme, die Elektrifizierung des Verkehrs weitere 281 GWh/Jahr. Während durch die Elektrifizierung der Primärenergieverbrauch circa um den Faktor 3 zurückgeht, steigt Heidelbergs Gesamtstrombedarf auf rund 1.200 GWh/Jahr — rund zwei Drittel mehr als heute.
Warum Erneuerbare die Versorgung sicherer machen
Regelmäßig wird behauptet, Wind und Sonne seien keine verlässlichen Energiequellen. Die Realität zeigt ein anderes Bild, wie sich am Beispiel der Heidelberger Wärmeversorgung zeigen lässt:
- Diversifikation statt Monokultur: Anders als bei Gas aus einer Pipeline verteilt sich die erneuerbare Erzeugung auf viele Standorte und Technologien. Fällt eine Anlage aus, kompensieren andere.
- Keine Brennstoffkosten, kein Preisrisiko: Einmal errichtet, produzieren Windräder Strom ohne laufende Brennstoffkosten. Der Strompreis ist damit über Jahrzehnte kalkulierbar – ein enormer Vorteil für die kommunale Wärmeplanung.
- Winterwind ergänzt Sommersonne: Windkraftanlagen erzeugen rund zwei Drittel ihres Jahresertrags im Winterhalbjahr – genau dann, wenn der Wärmebedarf am höchsten ist. Das macht Windstrom zum idealen Partner für Großwärmepumpen.
- Systemstabilität durch Speicher und Flexibilität: In Kombination mit Wärmespeichern (wie sie die Stadtwerke Heidelberg bereits betreiben) können Großwärmepumpen flexibel arbeiten – sie nutzen Strom, wenn er reichlich und günstig verfügbar ist, und speichern die Wärme für Bedarfsspitzen.

Was bleibt, wenn der Wind vor Ort weht
Die regionale Wertschöpfung eines Bürgerwindparks ist erheblich:
- Gewerbesteuereinnahmen für die Kommune (0,2 Cent je kWh gemäß EEG gehen an die Standortgemeinde – bei 120 Mio. kWh sind das rund 240.000 Euro jährlich)
- Pachteinnahmen für Flächeneigentümer (Forst BW für Windräder auf Heidelberger Gemarkung, Stadt Neckargemünd für Neckargemünder Gemarkung)
- Beteiligungsmöglichkeiten für Bürger:innen mit attraktiver Rendite
- Aufträge für regionale Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe bei Bau und Wartung

Heidelberg im Vergleich
Viele Kommunen in Baden-Württemberg setzen bereits auf Windkraft als Baustein ihrer Energieversorgung. Städte wie Stuttgart, Freiburg und Karlsruhe haben kommunale Windkraftprojekte realisiert oder befinden sich in der Planung. Heidelberg hat die Chance, mit dem Bürgerwindpark Lammerskopf nicht nur klimapolitisch, sondern auch wirtschaftlich zu den Vorreitern zu gehören.

